Einige Überlegungen zur akustisch-auditiven Religionsphänomenologie

Udo Tworuschka

 

 

1. Einleitung

Der evangelische Theologe Rudolf Otto (1869-1937) war von der Sabbatliturgie in der Synagoge von Mogador (heute Essaouria) in Marokko tief beeindruckt. Eine kurze Passage wurde für ihn zu einer Offenbarung des ‘Heiligen’ und ‘Numinosen’. Am 14. Mai 1911 teilte er den Lesern der liberalen Halbmonatsschrift „Christliche(n) Welt“ mit:

Ein kleiner, halbdunkler Saal. Nicht zehn Meter lang. Kaum fünf breit. Gedämpftes Licht von oben. Braunes Getäfel an den Wänden, vom Qualm der dreißig hängenden Öllampen angeräuchert. An den Wänden ringsum Bänke mit abgeteilten Sitzen, wie Chorgestühl von Bettelmönchen. Ein hoher Schrein in der Schmalwand, und in der Mitte ein kleiner Altar mit breitem Pult.                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Durch Durch labyrinthische Gänge des Ghetto, über zwei enge finstere Treppen hat Chajjim el Malek mich hierher geführt. Eine Synagoge nach der alten Art vom Westen noch unberührt. Vierzig solcher sind etwa hier, die meisten von ihnen Stiftungen Privater und in Privathäusern, wie Hauskapellen gehalten, durch Rabbinen und Vertreter alten Schlages bedient, Gebetsstätte und Talmudschule zugleich. Es ist Sabbat, und schon im dunkeln, unbegreiflich schmutzigen Hausflur hören wir das ‘Bemschen’[1] der Gebete und Schriftverlesungen, jenes halbsingende halbsprechende nasale Cantillieren[2], das die Synagoge an die Kirche wie an die Moschee vererbt hat. Der Klang ist wohllautend und bald unterscheidet man bestimmte regelmäßige Modulationen und Tonfälle, die wie Leitmotive sich abwechseln und folgen. Die Worte zu trennen und zu fassen bemüht sich das Ohr zunächst vergeblich und will die Mühe schon aufgeben, da plötzlich löst sich die Stimmenverwirrung und – ein feierlicher Schreck fährt durch die Glieder – einheitlich, klar und unmissverständlich hebt es an: Kadosch Kadosch Kadosch Elohim Adonai Zebaoth

Male'u haschamajim wahaarez kebodo!

Ich habe das Sanctus, Sanctus, Sanctus von den Kardinälen in Sankt Peter, und das Swiat, Swiat, Swiat in der Kathedrale des Kreml und das Hagios, Hagios, Hagios vom Patriarchen in Jerusalem gehört. In welcher Sprache immer sie erklingen, diese erhabensten Worte, die je von Menschenlippen gekommen sind, immer greifen sie in die tiefsten Gründe der Seele, aufregend und rührend mit mächtigem Schauer des Geheimnis des Überweltlichen, das dort unten schläft“.[3]

 

 

 

 

2. Definitionen

Der Komparatist und Kulturwissenschaftler Holger Schulze, der u.a. das Projekt „Aural City. Die hörsame Stadt“[4] leitet, trifft folgende begriffliche Unterscheidungen[5], an denen ich mich zum Teil orientiere:

- Klang/klanglich: jede physikalisch messbare klangliche Äußerung (Geräusch, Lärm, Ton, Musik, Rauschen)
- auditiv: auf das Hören generell bezogen (nicht auf den physikalisch beschreibbaren Klang)
- sonisch: auf eine kulturell bestimmte und geprägte Form von physischen Klängen bezogen
- sound: auf ein stark körperliches Hören im Alltagsleben bezogen (nicht begrenzt auf die Künste)
- aural: auf das Hören mit dem Ohr bezogen (nicht mit dem gesamten Körper)
Unter „Hörsamkeit“ [6] versteht man die Wirkungen der akustischen Eigenschaften eines Raums für Schalldarbietungen, etwa Musik oder Sprache, am Ort des Hörenden.

 

3. Räume

3.1 Raumtypologie

Das Rudolf Otto beeindruckende Klang- und Hörereignis spielte sich in einem noch näher zu beschreibenden geschlossenen Raum ab. Wir nehmen Räume nicht nur visuell wahr, sondern auch durch unsere Bewegungen (kinästhetisch) – und auditiv. Klangphänomene und ihre auditive Wahrnehmung geschehen generell in Räumen. Je nach ihrer Beschaffenheit, die von der Größe und Form des Raumes, der Lage der Schallquellen, der verwendeten Baumaterialien mit unterschiedlicher Schallreflektion bzw. -absorption abhängig ist, beeinflussen sie die Raumakustik und die auditiv-wahrnehmende Seite der Hörenden.

Idealtypisch lassen sich städtische und ländliche Räumen bzw. Orte unterscheiden, wo sich die sog. Daseinsgrundfunktionen abspielen: wohnen, arbeiten, sich versorgen (Nahrung, Kleidung etc.), sich bilden, sich erholen, in Gemeinschaft leben, entsorgen. Städtische Geräusche unterscheiden sich von ländlichen, wobei außerdem noch zwei verschiedene Land-Kategorien voneinander abgrenzbar sind: „das Land in der Nähe einer Großstadt und das großstadtfern gelegene Land“, vom ZEIT-Autor Ulrich Stock als „Stadt-Land“ bzw. „Land-Land“ bezeichnet.[7] Raumtypologisch heben sich Plätze als öffentliche Alltagsräume und – symbolisch – als demonstrative Orte von (religiöser) Macht hervor. Höfe (Innen-, Vor- und Hinterhöfe) sind in der Regel unüberdachte Bereiche eines Gebäudes, umgeben von Gebäudeflügeln bzw. Mauern. In Klöstern umgeben Kreuzgänge die Innenhöfe. Auch Moscheen bzw. hinduistische Tempelanlagen haben Innenhöfe. Wege und Straßen verbinden Räume untereinander.[8] Des Weiteren sind Gebäude samt ihren Innenräumen zu nennen, wobei sich die Religionswissenschaft insbesondere für so genannte „heilige Gebäude“ interessiert, wie unterschiedlich (oder vielleicht gar nicht so) „heilig“ sie auch jeweils sind: u.a. Tempel/Synagogen, Kirchen, Kapellen, Moscheen, Pagoden, Viharas, „Häuser der Andacht“.

 

 

 

3.2 „Heilige Räume“ in der klassischen Religionsphänomenologie

Die klassische Religionsphänomenologie verwendet die Kategorie des `heiligen Ortes oder Raumes`. Für Gerardus van der Leeuw ist der „heilige Raum“ eine „Stätte“, die aus der „großen Ausgedehntheit der Welt […] herausgenommen“ ist. Die Stätte offenbart Macht oder Mächte, sie ist oft geheimnisvoll gelegen und ihr „schaudervoller Charakter“ wird aus der Umgebung hervorgehoben.[9] Gustav Mensching weiß um den Wunsch des religiösen Menschen, „in einer vom Heiligen erfüllten Atmosphäre zu leben“.[10] Seltsamerweise sind Religionsphänomenologen[11] höchstens am Rande auf den nahe liegenden Gedanken gekommen, die von ihnen als schauer- und geheimnisvoll qualifizierten Räume (auch) von deren auraler Atmosphäre her zu betrachten. Stattdessen heben sie das Visuelle, Architektonische und Bauliche hervor. Dabei hatte bereits Rudolf Otto in einem kleinen Beitrag auf „Das Leere in der Baukunst des Islam“ hingewiesen und dabei auf den umbauten Raum aufmerksam gemacht[12]. Es gibt Moscheen, „in denen die Leere redet, und mit einem Eindrucke, der einem den Hals zuschnüren und den Atem nehmen kann“[13]. Die Hagia Sophia ist für Otto „von allen Bauwerken der Welt das numinoseste […] Und wunderbar gut passt in sie dieser islamische Kult des stillen Neigens und Niederfallens, des scheuen Flüsterns und Schweigens vor der leeren Nische und unter dem Fluten und Sich-Verteilen des Halblichtes aus der weitspannenden Leere ihrer ganz unvergleichlichen Kuppel.“[14]

 

3.3 Aura, Atmosphäre, Stimmungsraum

Ich habe das klassische Heiligkeitserlebnis Rudolf Ottos gewählt, um mich dem Beziehungsdreieck Klang-, Hörereignis und Raum zu nähern. Die Religionswissenschaft hat schon länger das Visuelle entdeckt (visual, iconic turn), aber das Klang- und Hörgeschehen weitgehend ausgeklammert. Zwar entstanden erst kürzlich umfangreiche Spezialarbeiten,[15] doch von einer fundierten breiteren Theoriebildung kann nicht die Rede sein. Einschlägige Arbeiten finden sich in der Volkskunde“[16] sowie seit einigen Jahren in der (US-amerikanischen) Geschichtswissenschaft.[17]

Klänge und Hörereignisse ereignen sich in Räumen. Hierunter sollen nicht nur „begrenzte Lebenswelten“[18] verstanden werden, sondern auch von Menschen unbewohnte Areale und Räumlichkeiten. Denn auch sie haben ihre charakteristischen Klänge (Geo-, Biophonien, s. später), doch so lange Menschen diese nicht wahrnehmen, sind solche Klangphänomene hier zu vernachlässigen. Im Folgenden geht es ausschließlich um von Menschen bewohnte Räume.

„Every space has an aural character“[19], so lautet die Grundthese eines interdisziplinären Sammelwerkes über „aural architecture“. „The composite of numerous surfaces, objects, and geometries in a complicated environment creates an aural architecture. As we hear how sounds from multiple sources interact with the various spatial elements, we assign an identifiable personality to the aural architecture”[20]

Unsere Lebenserfahrungen werden nicht nur durch landscapes, sondern auch von soundscapes beeinflusst. Die von verschiedenen Räumen/Orten ausgehenden Stimmungen, ihre Atmosphäre, sind von zwei Seiten her bestimmbar: Rezeptionsästhetisch handelt es sich bei der Raumerfahrung um eine subjektiv wahrgenommene Stimmung. Objektiv, also vom Raum her betrachtet, ist diese Stimmung durch charakteristische Merkmale und Eigenschaften dieses spezifischen Raumes geprägt.

In der Kunsttheorie Walter Benjamins nimmt der Aura-Begriff eine einflussreiche Rolle ein[21]. Benjamin charakterisiert die Aura natürlicher Gegenstände (sein Beispiel: Sommernachmittag und ein Gebirgszug am Horizont: „das heißt die Aura dieser Berge“) als „einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“. Die Wirkung aurabehafteter Objekte auf unsere Wahrnehmung wird auratisch genannt.

Der Philosoph Gernot Böhme hat stattdessen den Begriff des Atmosphärischen – im Anschluss an Rudolf Otto, Ludwig Binswanger, die neue Phänomenologie (Hermann Schmitz) u.a. – in die Diskussion eingeführt („Ästhetik der Atmosphären“) und stellt in seiner Theorie der sinnlichen Wahrnehmung „Beziehungen zwischen Umgebungsqualitäten und den Befindlichkeiten“ in den Mittelpunkt.[22] „Die Leute, die sich um das Musikalische der Musik kümmern, sind häufig zu sehr auf die Musik als Gegenstand fixiert. Das hat dazu geführt, dass von Seiten der Musiktheorie die Musik fast durchweg als Zeitkunst verstanden wird, während sie von Seiten der Theorie der Atmosphäre wesentlich Raumkunst ist […] Von der Theorie der Atmosphären her hat die emotionale Wirkung der Musik auf den Menschen sehr viel damit zu tun, dass sie seine leibliche Anwesenheit modifiziert.“[23] Elisabeth Ströker spricht in Weiterführung der Ansätze Dürckheims, Binswangers, Bollnows vom „gestimmten Raum“, in dem der Leib die Ausdrucksgehalte des Raumes erfährt.[24]

Bernhard Waldenfels`[25] leiblich verankerte Phänomenologie (unter Einfluss von Husserl, Schütz und der modernen französischen Philosophie) unterscheidet „Stimmungs- und Anschauungsraum“. Stimmungsräume haben ungleiche Atmosphären, beeinflussen das jeweilige Raumerleben und die eigene Befindlichkeit. `Heilige` Räume wie Kirchen, Moscheen, Synagogen, aber auch profane Gebäude wie Museen, Sportstadien, die freie Natur u.a. besitzen voneinander abweichende, das jeweilige Raum- und akustisch-auditorische Erleben und die beeinflussende Atmosphären: Heiliges, Schönheit, Spannung, Erhabenes. Die Räume bergen in sich Gefühls- und Erlebnisqualitäten. Die subjektive Weise des Raumerlebens nennt Waldenfels „Anschauungsraum“. Stimmungs- und Anschauungsraum zusammen bilden den Hintergrund für den „Handlungsraum“. Für Waldenfels ist Raum mehr als die bloß natürlich-sachlich-dinglich bestimmte „Umwelt“: eine nicht hintergehbare, anthropologische Dimension der menschlichen Existenz.

Rein empirisch ausgerichtete Religionswissenschaftler werden bemängeln, dass das theoretische Konstrukt „auratischer Raum“ sich nicht operationalisieren lässt. So fehlt ist zum Beispiel das wichtige Kriterium `intersubjektive Überprüfbarkeit`, da es keine festen Kriterien für das gibt, was „auratisch“ sein soll. Muss ein Raum dunkel, halbdunkel oder besonders hell, klein oder groß usw. sein, um als „auratisch“ zu gelten? Weckt er bei jedem die gleichen Gefühle?

Für eine sich als Wahrnehmungswissenschaft verstehende empirische Religionswissenschaft, die in der Praktischen Religionswissenschaft[26] auch Handlungsorientierungen entwickelt, ist die religionsphänomenologische Perspektive unverzichtbar, um Klang- und Hörphänomene nicht nur aus naturwissenschaftlich-psychologischer Perspektive zu erforschen.[27]

 

3.4 Akustische Erinnerungsorte

Klangforschung hat eine historische und geographische Dimension: Neben Theorien über Klänge, Musik und Töne zu verschiedenen Zeiten geht es konkret um die Erforschung dessen, was Menschen früherer Zeiten gehört haben mögen, auch wenn wir keine Tonaufzeichnungen davon besitzen. Die erste Tonaufnahme geht auf den „Phonautografen“ des französischen Forschers Edouard-Leon Scott de Martinville (1817-1879) zurück, der 1860 das von einer Frau gesungene Lied „Au Claire de la Lune“ aufgenommen hat – noch vor Edison.[28] Vertreter auraler Geschichte sind trotzdem zuversichtlich, aus anderen Quellen Informationen zur Klang- und Hör-Geschichte zu erhalten. So gibt es gibt u.a. Untersuchungen über mittelalterliche Soundcapes, über Klang und Hören zur Renaissancezeit in England, über Lärm und Klang der Industrialisierung sowie über die Klänge bzw. den Lärm diverser moderner Großstädte, zum Teil im Internet abruf- und abhörbar. Ein Beispiel der historischen Erforschung eines Segmentes religiöser oraler/auraler Kultur zur Zeit der Aufklärung bietet Leigh Eric Schmidt vom Religion Department der Princeton University mit seiner Analyse evangelikaler Christen („Sound Christians“). Ihre lautstarke religiöse Praxis („religion of the ear“) besteht aus dröhnenden, wortgewaltigen, leidenschaftlichen Predigten. Der evangelikale Devotionalismus ist darüber hinaus durch das Phänomen des gellenden „heilige Lachens“ sowie weitere ekstatische Geräusche. gekennzeichnet[29]. Klänge und Geräuschkulissen wirken sich auf die Gesellschaft aus, wie der französische Historiker Alain Corbin[30] anhand der Nutzung von Glocken und deren Bedeutung im Alltag der französischen Gesellschaft dargestellt hat.

Die durch das Konzept der „lieux de mémoire“ des französischen Historikers Pierre Nora in Gang gekommene lebhafte Diskussion um „Erinnerungsorte“ sollte auch von einer an akustischen und auditiven Phänomenen interessierten Religionswissenschaft rezipiert werden. Orte sind nicht nur topographische Stätten, vielmehr auch Personen, Rituale, Lieder, Institutionen: „langlebige, Generationen überdauernde Kristallisationspunkte kollektiver Erinnerung und Identität, die in gesellschaftliche, kulturelle und politische Üblichkeiten eingebunden sind und die sich in dem Maße verändern, in dem sich die Weise ihrer Wahrnehmung, Aneignung, Anwendung und Übertragung verändert.“[31] Solche Orte können von lokaler oder regionaler, auch nationaler und internationaler Bedeutung sein. Für lutherische Christen ist das Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“, ohne das ein Reformationsgottesdienst nicht endet, ein solcher akustischer Erinnerungsort. Auch die Echternacher Springprozession, die als erste Prozession in die UNESCO-Liste des immateriellen Welterbes aufgenommen wurde, ist ein akustischer Erinnerungsort. Heutzutage springt man etwa eine Stunde lang mit seitlichen Schritten vorwärts, abwechselnd nach links und nach rechts. Dabei verweilt man bei jedem Schritt kurz auf dem jeweiligen Fuß, um dann mit dem anderen Fuß zum nächsten Schritt anzusetzen – immer im Takt der von allen Kappen gespielten Prozessionspolka. Die Adventszeit mit ihren Weihnachtsmärkten, Düften, kulinarischen Genüssen – aber auch Klängen und Geräuschen lässt sich ebenfalls als akustischer Erinnerungsort interpretieren. „Hier kommt etwas zum Ausdruck, was als Sehnsucht zu bestimmen ist, nicht unbedingt allerdings eine inhaltlich präzise zu bestimmende Sehnsucht nach Gott, sondern eher der mehr oder weniger diffuse Wunsch nach einem hellere, friedlicheren Leben.“ [32]

 

4. Hören und Zuhören

Klänge sind physikalischen Gesetzen gehorchende akustische Signale, die sich als Schall im Raum ausbreiten. Aus den mechanischen Schwingungen kristallisiert das Gehirn Geräusche, gesprochene Sprache, Musik. Klang- und Hörereignisse sowie Raum sind aufeinander bezogen. Klänge ereignen sich in Räumen, wo sie von Menschen entweder gehört werden bzw. wo man ihnen bewusst zuhört.

Zuhören (Lauschen) ist eine konzentrative Leistung: die „intentionale Selektion, Organisation und Integration (S-O-I-Modell) verbaler und nonverbaler Aspekte akustisch vermittelter Information“[33]. Davor setzt die Psychologin Margarete Imhof die „Zuhörabsicht“, also die Frage, warum man eigentlich zuhören will. Eine Weiterentwicklung des S-O-I-Modells stellt das „Integrierte Modell des Text- und Bildverstehens“ von Schnotz dar.[34]

Zuhören als „zentrale Dimension der Sprachfertigkeit“ wird ontologisch „vor allen anderen sprachlichen Teilfertigkeiten erworben“[35]. Margarete Imhof unterscheidet Zuhörsituationen nach Merkmalen der „Sprecher-Zuhörer-Interaktion“ bzw. den „Zuhörzielen“ (therapeutisches Zuhören, kritisches Zuhören, „Zuhören zur Befriedigung ästhetischer Bedürfnisse“[36]). Sie differenziert vier „theoretische und empirische Grundlagen zur Psychologie des Zuhörens“: „Die personale Regulation des Zuhörers – Wahrnehmung des verbalen Inputs – Wahrnehmung des Sprechers – Wahrnehmung der Situation“[37].

Die Aufmerksamkeitsforschung[38] als Teilbereich der kognitiven Psychologie unterscheidet zwischen „vigilance“ (dauernde Wachsamkeit) einerseits sowie „focused attention“ und „divided attention“ anderseits. Innerhalb der zweiten Kategorie wird entsprechend der Sinnesmodalitäten u.a. zwischen „auditory“ und „visual attention“ differenziert. Unter Bezug auf Ulric Neisser[39] unterscheidet der amerikanische Psychologe Robert L. Solso einen „ikonischen Speicher“ für Seh- und einen „Echospeicher“ bzw. ein „Echogedächtnis“ für Höreindrücke.

Kommunikationsmodelle unterscheiden zwischen Sender, Botschaft und Empfänger. Damit die Botschaft verstanden wird, müssen Sender und Empfänger nach Roman Jacobson über einen zumindest teilweise bekannten Code (Schlüssel) verfügen. Bei sprachlichen Botschaften ist dies ein linguistisches Zeichensystem. „Um verstanden zu werden, benötigt die Botschaft außerdem noch eine Referenz (einen Bezugspunkt), die den `situationellen Kontext` bildet. Wenn der Sender einen Satz formuliert, geht er bereits davon aus, dass der Empfänger die Welt kennt, von der er gerade spricht. Wenn der Empfänger ein Element nicht versteht, auf das sich der Sender bezieht oder die Situation, in der der Sender seine Aussage formulierte, nicht kennt, ist er auch nicht in der Lage, die Botschaft angemessen zu verstehen. Damit schließlich die Kommunikation stattfinden kann, braucht sie einen Kontakt, der es als – physischer oder psychologischer – Verbindungskanal ermöglicht, die Kommunikation herzustellen und/oder aufrechtzuerhalten.“[40]

Imhof weist außerdem darauf hin, „dass eine Äußerung erst verstanden werden kann, wenn der Zuhörer (oder Leser) weitere, in der Situation verankerte Informationsquellen hinzuzieht, um eine Botschaft zu interpretieren. Diese kategorisiert Habermann (in Anlehnung an Dietrich u. Graumann 1989) als situationsgebundenen Kontext, der sowohl interpersonale und soziale Aspekte (Zahl der Gesprächsteilnehmer, Geschlecht, Alter, ethnischer Hintergrund der Gesprächsteilnehmer, soziale Rollen, persönliche Bekanntschaft, Vertrautheit, Übereinkunft über das Ziel des Austauschs, Aufgaben oder Vorgaben für die Gesprächssituation) als auch die sachlichen Bedingungen der Situation (Raumgröße, Lärm, Temperatur) beinhaltet. Zum Interpretationskontext gehören zusätzliche stabile oder temporäre Merkmale des Rezipienten, wie sein Wissen von der Welt (verfügbare Schemata, Meinungen, Werthaltungen), die aktuelle Motivationslage (persönliche Ziele, volitive Prozesse) und die emotionale Befindlichkeit (Stimmung, Ängstlichkeit, aktualisierte Motive)“[41].

 

5. Religiös geprägte Klänge

Dieser lange Anmarschweg durch die heute zunehmend unter dem Oberbegriff „Sound Studies“[42] zusammengefassten verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze war nötig, um einige Grundbegriffe zu klären, die für eine religionswissenschaftliche Untersuchung von Klang- und Hörphänomenen nötig sind. Jean-Francois Augoyard und Henry Torgue vom `Centre for Research on Sonic Space and the Urban Environment (CRESSON)`[43] in Grenoble/Frankreich setzen voraus, dass „kein Klangereignis, sei es musikalisch oder geräuschhaft, von seinen räumlichen und zeitlichen Bedingungen der Klangausbreitung isoliert werden kann. Klang wird immer subjektiv geformt, abhängig vom auditiven Wahrnehmungsvermögen, der Haltung gegenüber der Klangumgebung, der Psychologie und Kultur des Hörers. Es gibt kein universell gültiges Hören: jedes Individuum, jede Gruppe, jede Kultur hört auf ihre eigene Weise“[44] – eine auch religionswissenschaftlich wichtige Erkenntnis. Die akustisch-auditiven Phänomene der religiösen Schall- und Hörereignisse können entsprechend nur interdisziplinär erforscht werden: sowohl von naturwissenschaftlicher (u.a. Psychoakustik, auditive Psychophysik) als auch kulturwissenschaftlicher (Phänomenologische Psychopathologie) und religionswissenschaftlicher Seite. Religionswissenschaft wird hier nicht, wie heute oft üblich, kurzerhand unter die Kulturwissenschaften subsumiert, da sie über deren Ziele hinaus eigene verfolgt (vgl. u.a. die Praktische Religionswissenschaft[45]).

Es gibt keine `religiösen Klänge` und auch kein `religiöses Hören`, sondern religiös geprägte, normierte, überformte natürliche/erzeugte Klänge und Höreindrücke. Mitglieder ein und derselben religiösen Gemeinschaft verfügen idealerweise über einen Code, der es ermöglicht, sich untereinander zu verständigen. Angesichts religiösen Traditionsabbruchs und einer um sich greifenden „religiösen Analphabetisierung“ in säkularisierten Gesellschaften sind manche Religionsgemeinschaften von diesem Ideal zum Teil erheblich entfernt. Ohne auf die verzweigte Diskussion über die `religiöse Sprache` näher einzugehen (vor allem analytische Sprachphilosophie) soll auf ihr wohl wichtigstes Merkmal der symbolischen Natur hingewiesen werden, das sich in vielen religiösen Textsorten findet: Sprichwörtern, Gleichnissen, Wundergeschichten, Mythen. „Religiöse Rede gibt es […] nicht ohne religiöse Situation; Situationen sind immer dann religiös, wenn sie religiös strukturiert sind; religiöse Strukturen weisen sie auf, wenn sie als Realisationssituationen der Muster einer Religion beschrieben werden können“[46]. Für einige Sprach- und Religionsforscher gibt es keine religiöse Sprache, sondern „religiös gebrauchte“ Sprache. Für die religiöse Kommunikation ist die Kenntnis der Symbolwelt einer Religion unerlässlich.

Klangliches religiöses Handeln ist ein symbolhaftes Geschehen: Ob Menschen beten, Bekenntnisse sprechen, Lieder singen, kultisch oder ethisch handeln – immer lässt sich solches Tun im Sinne Gustav Menschings als „antwortendes Handeln“ auf eine „Begegnung mit heiliger Wirklichkeit“ begreifen, ist „Aneignung des Heiligen und des Heils durch den Menschen als raum-zeitliches Ereignis“[47]. Grundsätzlich kann alles zum Symbol werden. „Jedes Symbol besteht stets aus zwei Elementen: aus dem vordergründigen Gegenstand und dem Gemeinten. Das Verhältnis dieser beiden Schichten des Symbols zueinander nennen wir Repräsentation, weil das Gemeinte durch den Gegenstand repräsentiert wird, und zwar für ein Subjekt. Damit ist ausgesprochen, dass Symbole stets ein Subjekt voraussetzen, in dem sich jene Beziehung der Repräsentation vollziehen kann. Symbole an sich gibt es im strengen Sinne nicht. Damit ist zugleich gesagt, dass die Gültigkeit von Symbolen innerhalb der Subjektwelt auf die jeweils zum Symbolvollzug befähigten Subjekte beschränkt ist. [...] Der Symbolcharakter eines sakralen Symbols wird dann aufgehoben, wenn der Symbolgegenstand mit der gemeinten Wirklichkeit in eins gesetzt wird“[48].

Religiös-klangliches Handeln, ob verbal oder non-verbal, greift durchweg auf die üblichen Klänge zurück, bedient sich der üblicherweise zur Verfügung stehenden Klangerzeuger, um daraus religiös geprägte Symbole zu formen.

 

6. Religionsphänomenologie des Klanges und (Zu-)Hörens

An dieser Stelle setzt die Aufgabe einer sich auf Erklingen und (Zu-)Hören spezialisierenden Religionsphänomenologie ein. Sinnvollerweise kann sie nur als `kontextuelle Religionsphänomenologie` betrieben werden. Denn religiös geprägte Phänomene sind keine a-historischen Gebilde im Reich der Ideen, sondern empirische Erscheinungsformen, die in Kontexten stehen, welche in der klassischen Religionsphänomenologie von der Theorie her keine Bedeutung hatten: geschichtlichen, kulturellen, ökonomischen, sozialen. Eine Religionsphänomenologie des Klanges und (Zu-)Hörens sammelt, sichtet, systematisiert akustisch-auditorische Manifestationen von Religion(en).

Die Aufgabe einer Religionsphänomenologie des Klanges und Hörens ist zweifach: Die bisher dargestellten akustisch-auditiven Manifestationen[49] geschehen in der Realität, der Wirklichkeit. Auf einer zweiten Ebene jedoch, im Bereich des Gedachten, der Vorstellungen, Wünsche und Gefühle des Menschen, insbesondere der religiösen Gedanken- und Vorstellungswelt (auch sie eine Wirklichkeit), spielen akustisch-auditorische Phänomene ebenfalls eine große Rolle. Kommunikationstheoretisch gesehen sind akustisch-auditive religiöse Manifestationen verschlüsselte Botschaften, Kodierungen durch Text und Ton. Die Hörenden sind in der Lage, diese Botschaften aufgrund ihres religiösen Hintergrundwissens zu entschlüsseln. Wer den Code nicht kennt, nimmt zwar die Klänge ebenfalls wahr und verarbeitet sie im Prozess des Zuhörens. Im Unterschied zu den Angehörigen der jeweiligen religiösen Symbolwelt fehlt ihm jedoch der Zugang zur Symbolik. Ein Beispiel: Wenn in zen-buddhistischen Tempeln die Dharma-Trommel (Hokku) erklingt, so symbolisiert ihr Klang den Eingeweihten geistige Wahrheit, die Stimme Buddhas, das Echo der Buddha-Lehre. Der Holzfisch (Mokugyo), entweder eine wie ein Fisch oder eine Kugel geformte Trommel, steht für die Wachsamkeit, der sich die Mönche in ihren Übungen hingeben sollen, um inneres Erwachen zu erreichen. Der wolkenförmige Gong (Unpan) symbolisiert die Luftwesen. Sein Klang soll zu ihrer Befreiung führen. Der Klang der Brahma-Glocke schließlich versinnbildlicht die heilsame Kraft, welche die Wesen vom Leid befreit.

Auf der akustischen Seite geht es nicht nur verbale/non-verbale Klänge, sondern auch um den nicht „humanly organised sound“[50]. Zu denken ist an die Schaferschen Soundscapes[51], akustische Landschaftsbilder, gewonnen durch Soundwalks (Übungen im Horchen und Aufnehmen von Sounds während eines Spaziergangs). Soundmarks (akustische Wahrzeichen, analog: landmark), Keytones (kontinuierliche Hintergrundtöne in einer spezifischen Umwelt) und Community sounds (z.B. Glocken, Muezzin-Ruf, Gesänge, Trommeln) spielen dabei eine wichtige Rolle. Hilfreich zum Verständnis religiöser Räume ist die Unterscheidung[52] zwischen Geophonien (Geräusche der natürlichen Umwelt), Biophonien (Tier- und Pflanzenwelt) und Anthropophonien (von Menschen gemachte Geräusche/Töne). Die „auditory archaeology“[53] versucht, „to give sound and its significance in the past a greater presence in archaeological thinking and practice. Sound is a dynamic source of information: a means by which people, animals and places express themselves; it informs us about physical processes and the relationships that living things experience, develop, maintain, and contest in their surroundings. An auditory archaeology proposes that, in their daily activities, people generate sounds that are integral to creating, maintaining and contesting social relations.“ Die meist vernachlässigten flüchtigen, doch immer wiederkehrenden Hintergrundgeräusche (z.B. Meeresrauschen), die „belles noiseuses“, sind nach dem französischen Philosophen Michel Serres „fundamental, not simply to our experiences of place, they are fundamental to our every being“[54].

 

7. Interferenzen: Klangräume

Mit dem Begriff Klangraum sind hier nicht die bei Studio-Tonaufnahmen erzeugten räumlichen Klangeindruck (engl.: ambience), auch „Raumklang“ (surround sound, Kunstkopf-Stereophonie)[55] gemeint. Es geht auch nicht um die in esoterischen Musiktherapien als „Klangräume“ bezeichneten Gebilde. Stattdessen steht das Phänomen der „sonic sacralization“ ganzer geographischer Räume im Mittelpunkt,[56] die durch verschiedene Schallquellen erzeugten Klanginterferenzen. Sonische Überlagerungen ereignen sich in dichter besiedelten Räumen, Ballungszentren. Wenn es sich dabei um religiöse Klänge aus derselben Religionstradition handelt, entstehen die von manchen als harmonisch empfundenen, sich über den Raum breitenden Klangteppiche. Stammen die diversen religiösen Klänge dagegen aus unterschiedlichen Religionsgemeinschaften (Kirchenglocken, Muezzinrufe usw.), dann empfinden diese die Grenzen überschreitenden Klänge oft als störend, nehmen sie oft als Lärm[57] wahr. Bei diesen Klängen handelt es sich um „eine Form von Macht, die weiter keine Waffen braucht: einfach durch die Besetzung des akustischen Raums. Man kann sich das ganz militärisch vorstellen. Jemand, der ein bestimmtes Territorium mit seinem Schall besetzt, hat dort die Macht – nämlich über die Ohren der Anderen. Man kann sich dem Schall eines Anderen nicht entziehen: Er ist durch die Schallwellen überall in unserem Ohr, und wir können nichts dagegen tun, dass wir das hören müssen. In diesem Sinn gilt im akustischen Raum das Recht des Lauteren.“[58]

 

8. Vertikales Hören

Anke Eckhardt hat in ihrer Masterthesis[59] das Phänomen des „vertikalen Hörens“ analysiert. Ihre Untersuchung kann dazu beitragen, auch unterschiedliche religiöse Klang- und Hörphänomene zu charakterisieren. Vertikales Hören widmet sich „von oben kommenden Schallereignissen“.[60] Der nicht zum normalen Lebensraum gehörende vertikale Raum eignet sich besonders zum „Imaginationsraum, dem eine starke Symbolik zugesprochen wird. Fliegen und Fallen imaginieren wir vertikal soziale und religiöse Hierarchien, die Schauplätze der Macht, ebenso.“[61] Eckardt verweist u.a. auf das vertikale mittelalterliche Weltbild (Himmel-Erde-Unterwelt), auf die an erhöhten Orten angebrachten Kanzeln und Orgeln, auf nach oben führende Balkontreppen. „Nicht nur der Papst spricht von Balkonen zu versammelten Menschenmengen, auch der Religion ferne Politiker nutzten und nutzen diese Bühne“[62].

Nach traditioneller christlicher Vorstellung kommt Gottes Wort von oben, und die Gläubigen stellen sich entsprechend „unter das Wort Gottes“. Eher wenige werden bei dieser Formulierung an den räumlichen Aspekt denken. Doch bereits die Tatsache, dass Kanzeln bzw. Predigtstühle oft erhöhte Orte sind, unterstützt die lokale, räumliche Deutung. Der Prediger gelangt in manchen Kirchen über eine Treppe auf die Plattform. Auch der Kanzelvorgänger, der Ambo (von anabainein: „hinaufsteigen“), war ein Podest, „das durch eine oder zwei symmetrisch angelegte Treppen“[63] zugänglich wurde. Aufgrund dieser Bauweise konnte die Gemeinde den Prediger besser hören und sehen. Und dieser `kanzelte` bisweilen jemanden `ab`, machte also seine Vergehungen von der Kanzel herunter bekannt.

Eine „Studie zur Raumakustik von Schweizer Kirchen“[64], bei der katholische und reformierte Kirchenbauten (die Datenbank umfasst 150 Kirchen) sowie unterschiedliche Epochen (romanisch/gotisch, barock, neoklassizistisch und modern) unterschieden werden, hat u.a. die in der Literatur häufiger anzutreffende Behauptung empirisch nachgewiesen, „dass die Nachhallzeit in katholischen Kirchen länger ist als in reformierten, wo dem gesprochenen Wort im Sinne der Reformation mehr Gewicht beigemessen werde. […] Romanische und Gotische Kirchen haben die längsten Nachhallzeiten. Die Raumakustik unterstützt viel mehr die sakrale Stimmung als eine gute Sprachverständlichkeit. Für die Liturgie des Klerus im Chor (ev. hinter dem Lettner) und den Gregorianischen Gesang sind die Verhältnisse angepasst. […] Nach der Reformation (Barock), werden in den reformierten Kirchgemeinden nicht mehr nur bestehende Kirchen umgebaut, sondern es werden spezifisch reformierte Neubauten erstellt. Sie haben bei einer dichteren Besetzung mit Kirchenbesuchern viel kürzere Nachhallzeiten. Die zentrale Bedeutung des Wortes nach der Reformation, liturgisch offenbar beim Verlesen des Evangeliums und bei der Predigt, wird mit einer recht kurzen mittleren Nachhallzeit von 1.2 Sekunden im besetzten Zustand klar unterstützt.“[65]

Die Predigt und das Wort Gottes wurden für mittelalterliche Christen zu einem imposanten Hörerlebnis. „Die Architektur romanischen sowie gotischen Stils ist in ihrer Akustik so ausgelegt, dass Schallwellen von mittlerer und tiefer Frequenz reflektiert, hohe Töne hingegen geschluckt zu werden scheinen. Dies führt zu einer großen Nachhallzeit tieferer Klänge. Es kommt zu einem Zusammenfluss des Klanges, was den Prediger dazu zwingt, langsam und betont zu sprechen. Es entsteht so für den Zuhörer ein gesteigerter Eindruck sinnlicher Wahrnehmung durch das Gehör, obwohl mit Sicherheit auch die Kälte des Raumes auf das körperliche Befinden der Gläubigen einwirkt. […] Dem Gläubigen wird so die Predigt zu einem absoluten Hörereignis. Untermauert wurde das Erlebnis des gesprochenen Wortes dann noch durch den überwältigenden Schall der Orgel. […] Das gesprochene Wort, die Botschaft Gottes, wird von der rein geistigen Ebene auf die des Körperlichen gezogen und erhält somit ein hohes Maß an Intensität“.[66]

Bereits in der Hochgotik, vor allem aber später im reformierten Raum, entstanden `Predigtkirchen`, die das gottesdienstliche Geschehen auf Abendmahl und Predigt konzentrieren. „Eine typische Umformung des Verständnisses heiligen Raumes im Protestantismus zeigt sich in der Umgestaltung von Kirchen in der Reformationszeit […] An die Stelle der Orientierung zum Hochaltar hin tritt der Versammlungsraum der Predigtgemeinde, die sich am Hören des Wortes orientiert“[67].

Auch in einer Moschee gehört die Predigtkanzel zur konstitutiven Ausstattung. Freitags besteigt der Imam die nach oben führenden Stufen. Mohammed soll ein dreistufiges Minbar aus Äthiopien geschenkt bekommen haben, von wo aus er seine Ansprachen hielt. „Die Kalifen erhöhten den Minbar um mehrere Stufen, die späteren Minbar besaßen meist bis zu sieben Stufen, konnten aber wie die osmanischen Minbar noch höher sein. […] Als für den Gottesdienst notwendiges Requisit wurde der Minbar oft als kostbar verziertes Kunstwerk gestaltet, wie etwa der Holzminbar in der Großen Moschee in Qairawân/Tunesien aus dem 9. Jahrhundert, der vermutlich aus dem Irak stammt. Verziert werden die Seitenwangen, Stufen und der Sitz, über dem sich ein Baldachin erhebt.“[68]

Die Predigt (ca. 5-10 Minuten) wird stehend auf einer der untersten Stufen der Treppe gehalten, so wie Mohammed es tat. Nur der Prophet predigte von der höchsten Stufe. Die Zuhörer sitzen auf dem Boden. „Kursi“ ist ein Pult für den Koranrezitierer („Kari“). Es wird von hier auch unter der Woche oder an Feiertagen eine Ansprache gehalten (bis zu 30 Min.), wenn am Freitag, dann vor dem eigentlichen Freitagsgebet. In größeren Moscheen befindet sich eine Dikka – ein Podium, von der aus der Richter (Kadi) der Moschee die Worte des Imam wiederholt, so dass sie alle Moscheebesucher gut hören können.

 

9. Typologie religiöser Klangquellen und Hörereignisse

Die religiösen Klangerzeuger sind vielfältig, und es empfiehlt sich eine (vorläufige) Systematisierung. Man kann primäre und sekundäre Klangproduzenten unterscheiden: Primäre (nonverbale, verbale) Klangquellen sind konstitutive akustische Bestandteile religiöser Handlungs- und Ausdrucksformen (Orgel im Christentum; Hokku, Keisu u.a. im Zen-Buddhismus; Schofar und Trompete im Judentum; Schneckenhorn als Symbol Vishnus usw.). Voneinander abgrenzbar sind Religionen mit erlaubter und nicht-erlaubter Musik, geringerer und umfangreicherer Instrumentalisierung ihrer kultischen Handlungsabläufe. Nicht zuletzt bestehen Unterschiede zwischen Orten und Zeiten der Verwendung von Klangerzeugern bzw. den sozialen Schichten ihrer Benutzer[69]. Sodann ist zwischen individueller und kollektiver Klangerzeugung zu differenzieren: Solisten (Sänger, Musikinstrumente) einerseits, Orchester und Chor anderseits, religiöse Autoritätspersonen hier und Laien dort. Zu den sekundären Klang- bzw. Geräuschquellen[70] zählen alle die für Religion(en) nicht-konstitutiven Begleitklänge, zum Beispiel die jeweiligen Soundcsapes, in die religiöse Handlungen eingebettet sind. Dazu gehören Umgebungsgeräusche natürlichen wie auch künstlichen Ursprungs: Wind und Wellen, das Rauschen der Blätter, Regentropfen (vgl. Geophonien), Verkehrs- und Flugzeuglärm, der zum Beispiel bei einem `Gottesdienst im Grünen`, aber auch im Innern von Gebäuden hörbar wird. Auch Begleitgeräusche bei religiösen Veranstaltungen (Räuspern, Husten, Lachen, gedämpfte wie ungedämpfte Unterhaltung während einer rituellen Veranstaltung usw.) gehören dazu. Wenn ein ägyptischer Taxifahrer im Autoradio einer Koranrezitation lauscht, so muss eine religionswissenschaftliche Klang- und Höranalyse das gesamte Spektrum der Klangquellen berücksichtigen: das Motorgeräusch des Wagens ebenso wie den Verkehrslärm, die Qualität der Übertragung, Wortwechsel zwischen Fahrer und Taxigast usw.

Schon früh hat Gustav Mensching (1901-1978) die Fülle des religiös geprägten Wortes religionsphänomenologisch und -typologisch erschlossen.[71] Kommunikationswissenschaftlich relevant sind die Botschaft (Nachricht) und ihre Kodierung durch Text, Bild und Ton. Die Rezeptionsseite ließ sich bislang nicht so leicht in den Griff bekommen,[72]so dass hier weniger Arbeiten vorliegen. Rezeptionsästhetisch gesehen ist der Lesende/Sehende/Hörende produktiv an der Sinnbildung beteiligt. Statt nur die vorgebliche/vorgegebene Bedeutung einer Botschaft zu erschließen, ist davon auszugehen, dass der Leser/Hörer aktiv am Verständnisgeschehen teilhat.

Gustav Mensching berührte bereits 1925 Probleme einer akustisch-auditorischen Ästhetik des Gottesdienstes im Spannungsfeld zwischen dem mit unterschiedlichem rhetorischen Niveau (Stimmqualität, Sprache, Körpersprache) ausgestatteten Prediger, seiner Predigt und dem mit unterschiedlichem Wahrnehmungspotential ausgestatteten `homo religiosus audiens`: „Unsere Predigt [...] ist notwendig, das ist ihre Größe und Grenze, Zeugnis von Gott, aber auf dem Umwege über das eigene Erkennen und Erfahren. Das historische Wort muss stets neu geboren werden in der Tiefe der Seele, sonst wirkt es nicht. Gottes Wort ist eine lebendige Größe und steht darum in seiner Lebendigkeit nicht in der Bibel. Das Bibelwort will Weg zu Gottes wahrem Worte sein. Man sollte erkennen, dass man sich furchtbar irrt zum Schaden des Gottesdienstes und der Kirche, wenn man glaubt, von der Persönlichkeit des Predigers absehen zu können“[73]. Das durch die je und je unterschiedliche Persönlichkeit des Predigers erzeugte Klangereignis einerseits sowie Horchen und Lauschen anderseits („geboren werden in der Tiefe der Seele“) werden zu zentralen anthropologischen Eckdaten.[74]

Für eine akustisch-auditive Untersuchung verbaler Klänge ist die menschliche Stimme bzw. der Stimmklang bedeutsam, der durch Tonhöhe (Stimmlage) und die für jedes Individuum spezifische Klangcharakteristik charakterisiert ist. Die Stimme als Vektor von Emotionen wird zum Spiegelbild einer Persönlichkeit. Sie kann u.a. kindlich-quengelnd, männlich oder weiblich sein, laut oder leise, hoch oder tief, schnell oder langsam, quängelnd, salbungsvoll, weinerlich sein. Thomas Manns Pastor Trieschke in den `Buddenbrooks`, `Tränen-Trieschke`genannt, führte diesen Namen, „weil er allsonntäglich einmal inmitten seiner Predigt an geeigneter Stelle zu weinen begann…“[75] Die Sprechakttheorie hat auf weitere Aspekte aufmerksam gemacht, derer sich die Analyse religiöser Worte/Sprache bedienen kann.

In Fortentwicklung der Rezeptionsästhetik hat die Literaturdidaktik handlungs- und produktionsorientierte Verfahren entwickelt, die „durch Schreiben, Malen, Vertonen der eigenen Konkretisierung des Textes Ausdruck geben.“[76] Dass die Religionen sich dieser Praxis schon längst bedient haben, zeigt u.a. das jüdische Purim-Fest. Kinder, auch Erwachsene, verkleiden sich an diesem Tag mit bunten Kostümen. Wenn die Esther-Rolle in der Synagoge verlesen wird, begleiten Kinder diese Handlung mit allerlei Lärm machenden Instrumenten. Sie ertönen immer dann, wenn der Name des bösen Ministers Haman fällt.

Die auch außerhalb des christlichen Gottesdienstes anzutreffende Textsorte `Predigt` bietet Anschauungsbeispiel für die Notwendigkeit rezeptionsästhetischer Sichtweisen. Auf Wilfried Engemann geht die Theorie vom „Auredit“ („mit dem Ohr gehört“) zurück. Im Unterschied zum Manuskript ist das Auredit nicht der Text des Predigers, auch nicht, was aus seinem Munde kommt, sondern das im Kopf des Hörers entstehende Produkt.[77] Hörer, räumlicher und sozialer Kontext, Prediger und Sprache (Rhetorik) sind relevante Elemente der Predigt.

Für den Islam hat Navid Kermani[78] die besondere Bedeutung des Klangs bei der Koranrezitation dargestellt. „Der Koran ist seinem eigenen Konzept nach die liturgische Rezitation der direkten Rede Gottes. Er ist Vortragstext. Das geschriebene Blatt ist sekundär, im Prinzip nicht mehr als eine Erinnerungsstütze. Gott spricht, wenn der Koran rezitiert wird sein Wort kann man genauso genommen nicht lesen, man kann es nur hören. […] Erst das samiٔ a, nicht schon das qara`a führt zum Erkenntnisakt (`aqala)“[79], wobei samia „hören“ und qarara „rezitieren, vortragen“ bedeutet. Das „auditorische Moment“ ist „nicht nur ein Nebeneffekt der koranischen Rede, […] sondern eigentlicher „Träger der Botschaft“[80].

 

10. Ottos auditives Heiligkeitserlebnis

Kommen wir abschließend auf unser Eingangsbeispiel zurück und betrachten es aus der Perspektive der Sound Studies. Das Beispiel demonstrierte Rudolf Ottos Klang- und Heiligkeitserlebnis in einer kleinen, „vom Westen unberührten“, kaum 50 Quadratmeter großen marokkanischen Synagoge. Um welche Synagoge – in der Blütezeit gab es in Essaouira einmal 63 – es sich handelt und ob diese heute noch existiert, ist kaum zu eruieren. Es gibt in diesem Ort aber heute noch eine Reihe kleiner Synagogen, auf die Ottos Charakterisierung zutreffen könnte. Westliches Überlegenheitsdenken wird Otto dazu verleitet haben, den „unbegreiflich schmutzigen“ Hausflur nicht unerwähnt zu lassen. In kurzen Strichen beschreibt Otto den Raum: An der schmalen Stirnwand des mit braunem, durch 30 Öllampen angeräucherten Holz verkleideten Raumes befindet sich das Allerheiligste, die Lade mit den darin verborgenen Torarollen. In der Mitte des Raumes steht ein „kleiner Altar mit breitem Pult“. Es handelt sich um die Bima (bzw. den Almemor), auf dem die Torarollen ausgebreitet und vorgelesen werden. Dieser Tisch braucht eine gewisse Größe, damit man die Rollen darauf ausbreiten kann. Meist steht die für gewöhnlich hölzerne Bima auf einer erhöhten Plattform. An den Wänden ringsum Bänke mit abgeteilten Sitzen, wie Chorgestühl von Bettelmönchen.“

Otto erreicht die Synagoge durch „labyrinthische Gänge“, „zwei finstere Treppen“ und einen „dunklen […] Hausflur“ – und erhält den Eindruck des Abgelegenen, Verborgenen, vielleicht Geheimnisvollen. Eventuell handelt es sich um eine in einem Privathaus befindliche Haussynagoge. Der Eindruck des Geheimen, des „numinosen Eindruckes“[81] dieses auratischen Raumes wird in erster Linie durch das Halbdunkel, das gedämpfte Licht erzeugt. Sechs Jahre später wird Otto in „Das Heilige“ schreiben: „Erst das Halbdunkel ist `mystisch` […] Das Halbdunkel, dämmernd in erhabenen Hallen, unter den Zweigen eines hohen Baumganges, seltsam belebt und bewegt durch das mysteriöse Spiel der halben Lichter, hat noch immer zum Gemüte gesprochen und Tempel- Moscheen- und Kirchen-erbauer haben davon Gebrauch gemacht.“[82] Dann beschreibt Otto sein ihn aufwühlendes Klang- und Hörerlebnis: erst das Bemschen der Gebete und Schriftverlesungen, dann das halbsingende, halbsprechende nasale Cantillieren. Diese Klänge sind für seine Ohren wohllautend. Er erwähnt regelmäßige Modulationen und Tonfälle. Dass Otto diese feierliche Art des liturgischen Sprechgesangs schätzt, zeigen seine liturgischen Reformversuche in den 1920er Jahren. Es erscheint ihm „wünschenswert, dass die Gemeinde nach längerer Übung vom reinen Sprechen zum Sprechgesang und Singen nach den alten Psalmtönen übergeht.“[83]

Die „Stimmenverwirrung“ deutet darauf hin, dass sich mehrere Personen in der Synagoge befinden. Vielleicht gerade einmal das obligatorische Minjan? Höhepunkt der Szene ist der feierliche Schreck und der mächtige Schauer in den tiefsten Gründen von Rudolf Ottos Seele: das, wie er es nennt, Überweltliche und Heilige.

Raumakustisch ist auf verschiedene Elemente aufmerksam zu machen: die hörpsychologische Raumeigenschaft, diverse Schallquellen („Stimmenverwirrung“), der Ort, von dem aus Otto den Klang wahrnimmt, schließlich – auf der subjektiven Ebene – „Höhrvermögen, Urteilskraft, Vorerfahrungen usw. des Beurteilenden“. Die Akustik des mittelgroßen Raumes ist durch seine mit Holz vertäfelten Wände bestimmt, ein Material, das aufgrund seines geringen Absorptionsgrades (0,06-0,10) ideal den Schall reflektiert. Der Absorptionsgrad eines Raumes wird durch die Anzahl der sich in ihm befindenden Menschen beeinflusst. Je mehr Menschen versammelt sind, desto mehr Schall wird absorbiert (vollbesetzter Saal: a=0,95). „Die im Raum anwesenden Menschen bilden eine schallschluckende Fläche, welche je nach Raumform und Anordnung einen beträchtlichen Anteil der gesamten inneren Raumoberfläche ausmachen kann – vor allem, wenn die Raumhöhe kleiner ist als die halbe Raumbreite. In Kirchen und Sälen, die sehr hoch sind, ist dieser Einfluss wegen der relativ großen Seitenwandflächen kleiner, aber dennoch wesentlich. Die Zahl der Plätze, die Ausstattung der Sitze und ihre Anordnung gehören deshalb zu den wichtigsten bestimmenden Faktoren für die Raumakustik.“[84]

Eine nicht näher bestimmbare Zahl von (vermutlich ausschließlich) männlichen Stimmen erzeugt das Klangereignis. Die an der Liturgie beteiligenden Frommen „bemschen“ ihre Gebete, und vor unserem geistigen Auge erscheinen dabei die rhythmische Bewegungen der Oberkörper der Beter. Hinzu kommt die freirhythmische melodische Rezitation, das „gesungene Lesen“, der Sprechgesang (Cantillieren). Das Klangereignis ist diffus, und Ottos Anstrengungen zur Extraktion einzelner Schallquellen („Cocktail-Party-Effekt“[85]) wollen nicht gelingen: „Worte zu trennen und zu fassen bemüht sich das Ohr zunächst vergeblich und will die Mühe schon aufgeben“. Dann „löst sich die Stimmenverwirrung und – ein feierlicher Schreck fährt durch die Glieder – einheitlich, klar und unmissverständlich hebt es an: Kadosch Kadosch Kadosch …“ Diese feierlichen Worte erklingen im Sabbath-Morgengottesdienst: Dann begibt sich der Vorbeter zum Toraschrein, `hebt` die Torarolle `aus`, nimmt sie in beide Hände und singt, worauf die Gemeinde die feierlichen Verse („Kadosch…“) aus dem Jesajabuch (6,3) wiederholt. Sie sind Bestandteil der von orthodoxen und konservativen Juden praktizierten Musaf-Gebete. Alle Anwesenden singen dann die in der Kedusha, zentraler Bestandteils des Amidah-Gebets (auch Schmone essre, `Achtzehngebet`genannt), vorkommenden Verse.

Überliefert ist die Synagogenszene nur von Rudolf Otto allein. Wahrnehmungen seines Führers und Begleiters Chajjim el Malek sind nicht überliefert. Ottos Empfindungen sind so stark, dass sie einige Aussagen über sein Hörerlebnis gestatten. Dieses hat etwas Elementares, Ursprüngliches, Urwüchsiges an sich. Das erwähnte Hörerlebnis entfaltet eine direkte Wirkung auf die Emotionen Ottos. In „Das Heilige“ wird er später beschreiben, wie „diese eigentümliche Scheu vor dem `Unheimlichen` auch eine völlig eigentümliche bei natürlicher Furcht und Schrecken niemals so vorkommende körperliche Rückwirkung hervorbringt: `Es lief ihm eiskalt durch die Glieder`, `Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken`. Die Gänsehaut ist etwas `Übernatürliches`. Wer imstande ist zu schärferer seelischer Zergliederung, der muss sehen, dass sich solche `Scheu` von natürlicher Furcht durchaus nicht nur durch Grad und Steigerung unterscheidet und keineswegs nur etwa ein besonders hoher Grad der letzteren ist.“[86]

Ob man Ottos Hörerlebnis mit dem Gänsehaueffekt („chill“) vergleichen kann, der von einer starken Empfindung herrührt und Hörende innerlich aufwühlt?[87] Physiologisch gesehen handelt es sich dabei um eine „Ausschüttung von Glückshormonen“, eine Aktivierung des limbischen Belohnungssystems. Ähnliche Hirnaktivation findet sich u.a. auch bei gutem Essen, Sex, Drogenkonsum. Vielleicht war dieser Effekt „ursprünglich Bestandteil eines lautlichen Kommunikationsssytems, das dazu diente, soziale Bindung zu erzeugen, wichtige Veränderungen der Hörwelt anzuzeigen und durch Ausschüttung von Glückshormonen die Gedächtnisbildung zu unterstützen. Später wurden `Gänsehautreaktionen` als Mittel zur Selbstbelohnung in der Musik vielfach spielerisch und gezielt eingesetzt.“[88] Manche Forscher postulieren sogar eine Chill-Persönlichkeit (schüchtern, belohnungsabhängig, sensationsgierig) als Voraussetzung des Effektes.[89]

Das äußerst komplexe Beziehungsgefüge zwischen Musik und Emotion wird in einem fast 1000seitigen Handbuch dargestellt.[90] Man kann davon ausgehen, dass der rhythmische Anteil von Musik unmittelbar in den Hirnstamm fährt („Reptiliengehirn“). Die von der Evolution fest verdrahteten Schaltkreise bewirken, dass es auf Töne reagiert, ohne das Bewusstsein vorzuschalten. Solche klanglichen Ereignisse werden vom Gehirn mit bestimmten Situationen verbunden, in denen sie zum ersten Mal gehört worden sind. Die Klangerzeuger wirken auf die Gefühle der Hörenden ein, was wohl mit der menschlichen (auch tierischen?) Gabe zur Empathie zusammen hängt. Die sog. „Spiegelneuronen“ lassen den Hörenden nämlich die gleiche Emotion spüren, die auch der Klangerzeugende hat. Ob es Klänge gibt, die bei jedem Menschen unabhängig von seiner Religion und Kultur die gleichen Wirkungen hinterlassen, etwa den `chill`, wird von vielen verneint.[91] Wie eine 2008 in einer Höhle der Schwäbischen Alb gefundene gut erhaltene steinzeitliche Flöte (Alter: ca. 35000 Jahre) nahe legt, hat bereits der Steinzeitmensch musiziert – Jahrtausende, bevor er den Ackerbau erfand. Singen konnte er vermutlich „bereits einige zigtausend Jahre früher, da sein Kehlkopf und Vokaltrakt sich schon damals kaum von den Organen heutiger Artgenossen unterscheiden“[92]. Musik scheint „ein naturgegebener, offenbar weitgehend angeborener, kulturübergreifender Bestandteil des menschlichen Verhaltensrepertoires als Modus menschlicher Kommunikation“ zu sein.[93] Die Wirkung von Klangereignissen zeigt sich darin, dass Menschen „nicht nur rhythmisch-melodische, sondern auch emotionale Geschlossenheit [erleben], die sich wiederum nach außen mitteilt“[94]. Die Leistung ist als „Verhaltensanpassung des Menschen zu begreifen, als Repertoire kommunikativer Strategien, um bestimmte Probleme zu lösen: Bindungen herzustellen, Vertrauen bilden, Kooperation verbessern, Aggression kontrollieren“.[95]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

.

 

 

 

 

 

 

 

 


[1] Benschen ist nicht hebräischen/aramäischen Ursprungs. Auskunft von Prof. Klaus Koenen/Köln (11.07.2011), dem ich auch folgenden Hinweis verdanke: „A Judæo-German word meaning either to say a blessing or to bless a person. It is derived from the Latin `benedicere`; German `benedeien`; old Spanish `beneicer`; Portuguese `benzer`; Provençal `benesir`, `beneir`; French `bénir`. […] `Benschen` is used for the blessing of God.“ (Artikel „Benschen“ in Jewish Encyclopedia: http://www.jewishencyclopedia.com/view.jsp?artid=774&letter=B (Zugriff: 07.07.2011)

[2] Sprechgesang, freirhythmische melodische Rezitation, „gesungenes Lesen“, aber kein eigentlicher Gesang. Siehe Günter Bader: Psalterspiel (Hermeneutische Untersuchungen zur Theologie 54), Tübingen 2009, S.259. Luther trat für den Sprechgesang in seiner „Deutschen Messe“ ein. Der Gottesdienst wurde vollständig gesungen, wobei u.a. der Sprechgesang hervorragt.

[3] Rudolf Otto: Vom Wege. In: Christliche Welt 15 (1911), S. 708f. Es gibt einen zweiten, evtl. sogar wichtigeren Anlass, der zu Ottos Abhandlung über Das Heilige führte: „Meine Untersuchung über DAS HEILIGE entsprang mir einst aus dem Bedürfnisse, mir selber und meinen Schülern die Frage zu beantworten, was Sünde, Schuld und Urschuld sei, und was im Zusammenhange damit ,Sühne' und, Entsühnung' im Christentums bedeute.“ Vorwort zu Heft 11 der „Aufsätze das Numinose betreffend (4. Aufl. 1929)

[4] http://auralcity.de/ (Zugriff: 06.06.2011)

[5] eMail vom 06.06.2011

[6] Anke Eckardt: Zur Theorie des vertikalen Hörens. Eine Untersuchung am Beispiel des Reichstages (heutigen Parlamentsgebäudes), Masterthesis Universität der Künste Berlin. Zentralinstitut für Weiterbildung. Sound Studies – Akustische Kommunikation – Klanganthropologie, Berlin 2010. http://www.ankeeckardt.com/index.php?medium=108

[7] Ulrich Stock: Landlust, Landfrust. In: Die ZEIT Nr. 23 vom 01.Juni 2011, S. 69-71, hier S.71.

[8] Institut für Städtebau, TU-Graz: Raumorganisation und Planen. 02. Raumtypologien. http://lamp.tugraz.at/~f145stdb/Raumorganisation%20und%20Planen/Vorlesung/ROP_02.pdf (Zugriff 01.06.2011)

[9] Gerardus van der Leeuw: Phänomenologie der Religion, Tübingen 19774, S.445-463, hier S. 445f.

[10] Gustav Mensching: Die Religion. Erscheinungsformen, Strukturtypen und Lebensgesetze, Stuttgart 1959, S. 276.

[11] Das gilt auch für Friedrich Heiler: Erscheinungsformen und Wesen der Religion, Stuttgart 1961, S. 128-150.

[12] Rudolf Otto: Aufsätze das Numinose betreffend, Gotha 1923, S.108-113.

[13] Ebd., S.108.

[14] Ebd., S.109.

[15] Annette Wilke/Oliver Moebus: Sound and Communication: An Aesthetic Cultural History of Sanskrit Hinduism, 2011. – Isabel Laack: Religion und Musik in Glastonbury. Eine Fallstudie zu gegenwärtigen Formen religiöser Identitätsdiskurse, Göttingen 2011 – Lidia Guzy (Ed.): Religion and Music. Proceedings of the Interdisciplinary Workshop at the Institute for Scientific Studies of Religions, Freie Universität Berlin, May 2006 (= Religionen in Kultur und Gesellschaft (hg. von Lidia Guzy), Bd. 1, Berlin 2008.

[16] Regina Bendix: The Pleasures of the Ear: Toward an Ethnography of Listening. Cultural Analysis 1 (2002): http://socrates.berkeley.edu/~caforum/volume1/vol1_article3.html – Dies.: Was über das Auge hinausgeht. Zur Rolle der Sinne in der ethnographischen Forschung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 102 (2006), 71-84. – Dies.: Art. Stimme. In: Enzyklopädie des Märchens 12 (2007), 1313-1319.

[17] Grundlegend: Mark M. Smith (Ed.): Hearing History. A Reader, Athens, GA. 2004. – Richard Cullen Rath, How Early America Sounded, Ithaca/London 2003. – David Garrioch, Sounds of the city. The soundscape of the early modern European towns, in: Urban History 30 (2003), S. 5-25. – Daniel Morat: Sound Studies – Sound Histories. Zur Frage nach dem Klang in der Geschichtswissenschaft und der Geschichte in der Klangwissenschaft. In: kunsttexte.de, 4/2010-1. http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/2010-4/morat-daniel-3/PDF/morat.pdf

[18] Manfred Josuttis: Vom Umgang mit heiligen Räumen. In: Thomas Klie (Hg.): Der Religion Raum geben, Münster 20002, S.34-43, hier S.39.

[19] Barry Blesser/Linda-Ruth Salter: Spaces speak, are you listening? Experiencing aural architecture, Massachusetts 2007, S.2. Aural bedeutet soviel wie „hörsam“ (vgl. Hörsamkeit)

[20] Ebd.

[21] Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1939). In: Ders.: Gesammelte Schriften, Band I, Frankfurt/Main 1972, S. 471-50.

[22] Gernot Böhme: Für eine ökologische Naturästhetik, Frankfurt/Main 1989, S.30.

[23] „Die Musik modifiziert mein Gefühl, im Raum zu sein“. Ein Gespräch mit Gernot Böhme. In: Musiktherapeutische Umschau 26,3 (2005), S. 88-93.

[24] Elisabeth Ströker: Philosophische Untersuchungen zum Raum 19772. Zitiert bei Heinz Paetzold: Ästhetik der neueren Moderne. Sinnlichkeit und Reflexion in der konzeptionellen Kunst der Gegenwart, Stuttgart 1990, S.29.

[25] Bernhard Waldenfels: In den Netzen der Lebenswelt, Frankfurt/Main 1985, S.179ff.

[26] Michael Klöcker/Udo Tworuschka (Hg.): Praktische Religionswissenschaft. Ein Handbuch für Studium und Beruf, Köln-Weimar-Wien 2008.

[27] Ich definiere „Religionswissenschaft als Wahrnehmungswissenschaft (gelebter) Religion/en“

[28] Meldung im Hamburger Abendblatt vom 28.03.2008.

[29] Leigh Eric Schmidt: Supernatural Sounds and Enlightenment Silence. Hearing Things. Religion, Illusion, and the American Enlightenment, Cambridge, MA 2000.

[30] Alain Corbin: Die Sprache der Glocken. Ländliche Gefühlskultur und symbolische Ordnung in Frankreich des 19. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 1995.

[31] Etienne François/Hagen Schulze (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte, Bd. I, München 2001, S. 18.

[32] Corinna Dahlgrün: Christliche Spiritualität. Formen und Traditionen der Suche nach Gott, Berlin, New York 2009, S. 427.

[33] Imhof, Margarete: Zuhören lernen und lehren. Psychologische Grundlagen zur Beschreibung und Förderung von Zuhörkompetenzen in Schule und Unterricht. In: Margarete Imhof/Volker Bernius: Zuhörkompetenz in Unterricht und Schule. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis, Göttingen 2010, S.15-30 (Edition Zuhören; 8) – Dies.: Zuhören. Psychologische Aspekte auditiver Informationsverarbeitung (Edition Zuhören, Bd.4), Göttingen 2003. – Zuhören und Instruktion, Münster 2004, S.6ff. („Vom Hören zum Zuhören“; „Zuhören als eigene Leistung des psychischen Systems“)

[34] Dargestellt in: Kompendium multimediales Lernen von Helmut M. Niegemann, Steffi Domagk, Silvia Hessel, Alexandra Hein, Matthias Hupfer, Annett Zobel, Berlin 2008, S. 54-63. – Die verbalen/non-verbalen Klänge gelangen nach dem sog. „Drei-Speicher-Modell“ über das Sensorische Register, in diesem Fall das auditive Register (Gedächtnis), in das „auditive Arbeitsgedächtnis“. Dort wird eine Repräsentation der Oberflächenmerkmale des gehörten Textes erstellt. Ein auditiver Filter selektiert jene Informationen, die in eine propositionale Repräsentation umstrukturiert und verdichtet werden sollen“, a.a.O., S.59.

[35] Imhof, Zuhören, a.a.O., S.9.

[36] Ebd., S.41.

[37] Ebd., S.57.

[38] Aufmerksamkeit wird von Robert L. Solso definiert als „Konzentration der mentalen Anstrengung auf sensorische oder mentale Ereignisse“. In: Robert L. Solso: Kognitive Psychologie, Heidelberg 2005, S.79.

[39] Ulric Neisser: Cognitive Psychology, New York 1967.

[40] Massimo Grilli: Sprache und Kommunikation. In: http://www.evangeliumetcultura.org/DE/Sprache%20und%20Kommunikation.php

[41] Imhof 2003, S.194. Zitiert bei Anke Eckardt, a.a.O. (Anm. 29), S.43.

[42] „Die akustischen und auditiven Aspekte von Situationen zu untersuchen ist das grundsätzliche Anliegen der Sound Studies. Das Hyperonym für die diversen darin zusammentreffenden Forschungsrichtungen ist Sound Studies ein sich mehr und mehr durchsetzender Begriff“ (analog zu Cultural Studies), so Anke Eckardt, a.a.O., S.15.

[43] Dieses Institut befasst sich mit Architektur, Soziologie und Klang. 2009 standen Themen wie „ambiance and environment“, „ambiance and project“, “ambiance and society” im Mittelpunkt ihres Interesses.

[44] Sonic experience. A Guide to everyday sounds, Montreal 2006.

[45] Michael Klöcker/Udo Tworuschka (Hg.): Praktische Religionswissenschaft, Köln-Wien 2008.

[46] Ingolf Dalferth: Sprachlogik des Glaubens. Texte analytischer Religionsphilosophie und Theologie zur religiösen Sprache, München 1974, S.359.

[47] Kurt Goldammer, Die Formenwelt des Religiösen, Stuttgart 1960, S. 328.

[48] Gustav Mensching, Die Religion, S. 244f.

[49]Vgl. Goldammer: Formenwelt, a.a.O., S.266-276 („Heiliger Klang“) erwähnt diesen Bereich nur am Anfang, um dann zu den `empirischen` Phänomenen überzugehen („Gesungenes Wort“, „Gesang und Instrument“).

[50] Musik ist für den Ethnomusikologen Blacking ein “product of the behaviour of human groups, whether formal or informal: it is humanly organised sound.” John Blacking: How Musical is Man? Seattle, London 1973, S.3-31, hier S.17. – Suzel A. Reily: The Musical Human. Rethinking John Blacking's Ethnomusicology in the Twenty-First Century, Ashgate 2006.

[51] Murray Schafer: Klang und Krach. Eine Kulturgeschichte des Hörens, Frankfurt/Main 1988. – The Journal of Acoustic Ecology, Volume 1, Number 1, Spring 2000. Auch veröffentlicht unter: interact.uoregon.edu/medialit/wfae/journal/wrightson.pdf.

[52] Steve Mills: The significance of sound in fifth millennium cal. BC southern Romania. Auditory archaeology in the Teleorman River Valley. Unpublished PhD dissertation, University of Wales, Cardiff 2001.

[53] Christopher Whitmore: Auditory archaeology or the “belles noiseuses”: " http://traumwerk.stanford.edu:3455/multiplefields/1067 (Zugriff: 03.06.2011)

[54] Michel Serres: Genesis (transl. G. James and J. Nielson), Ann Arbor 1995, S.15.

[55] Rolf Seidelmann: Surround im Musikstudio, Bremen 2008.

[56] Vorbildlich untersucht am Beispiel der ghanaischen Hauptstadt Accra von Marleen de Witte: Accra`s Sounds and Sacred Spaces. In: International Journal of Urban and Regional Research, 32, 2, September 2008, S. 690-709.

[57]„Das Wort `Lärm` kommt von `Alarm`, und `Alarm` leitet sich wiederum vom italienischen Schlachtruf `all´arme` ab, `zu den Waffen`. Die kürzeste Definition wäre also: Lärm ist ein Geräusch, das uns zur Waffe greifen lässt, wenn wir wollen, dass es aufhört. Das kann jede Art von Geräusch sein. Es ist nicht so sehr das Geräusch selbst, sondern es ist vom Kontext abhängig, in dem wir es erleben.“ Interview mit Sieglinde Geisel: „Gottes Lärmlizenz“. In: http://www.kultiversum.de/Literatur-Themen-Personen/Laerm-Sieglinde-Geisel-Nur-im-Weltall-ist-es-wirklich-still-Die-Laermlizenz-von-Gottes-Glocken.html (Zugriff 13.07.2011). Vgl. von derselben Autorin: Nur im Weltall ist es wirklich still. Vom Lärm und der Sehnsucht nach Stille, Berlin 2011.

[58] Ebd.

[59]Eckhardt, a.a.O. Zur Theorie des vertikalen Hörens. Eine Untersuchung am Beispiel des Reichstages (Heutigen Parlamentsgebäudes). Universität der Künste Berlin. Zentralinstitut für Weiterbildung. Sound Studies – Akustische Kommunikation. Klanganthropologie. In: http://www.ankeeckardt.com/index.php?medium=108                    

[60] Ebd., S.4.

[61] Ebd., S.5.

[62] Ebd., S.6f.

[63] H. Claussen: Art. Kanzel. In: RGG3 Bd. III, Sp.1130f., hier Sp.1130.

[64] http://www.eggenschwiler.arch.ethz.ch/vortrag3.pdf

[65] Ebd.

[66] Nadine Wagner: Von komprimierter Luft zur Erziehung der Sinne. Der Umgang mit Gehör und Klangwahrnehmung von der Antike bis zur Neuzeit. In: Projektgruppe Zuhören (Hg.): Über das (Zu-)Hören (= Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 18), Göttingen 2003, S.15-36, hier S.28.

[67] Fritz Stolz: Heilige Stätten [im Protestantismus]. In: Udo Tworuschka (Hg.): Heilige Stätten, Darmstadt 1994, S.20-27, hier S.23.

[68] Art. Minbar. In: Ralf Elgar/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte – Alltag – Kultur, München 2001

[69] Lawrence Sullivan: Art. Musik/Musikinstrumente. In: RGG4, Sp.1598-1600.

[70] Geräusche sind im Unterschied zu Tönen und Klängen durch nicht-periodisch verlaufende Schwingungsvorgänge charakterisiert. Siehe Art. Geräusch http://de.wikipedia.org/wiki/Ger%C3%A4usch

[71] Das heilige Wort. Eine religionsphänomenologische Untersuchung, Bonn 1937.

[72] Regina Bendix: Hören, Zuhören und Gehörtwerden: Kommunikation und die Wahrnehmung von Stimme. In: Projektgruppe Zuhören (Hg.), a.a.O., S. 63-76.

[73] Die liturgische Bewegung in der evangelischen Kirche. Ihre Formen und ihre Probleme, Tübingen 1925, S.37.

[74] Ich greife hier auf meine Ausführungen in der Festschrift für Johann Figl zurück: Homo religiosus audiens. In: Hans Gerald Hödl/Veronica Futterknecht (Hg.): Religionen nach der Säkularisierung, Münster 2010, S.355-377, hier S.365f.

[75] Thomas Mann: Buddenbrooks. Verfall einer Familie (1922), 5. Teil, Kapitel 5.

[76] Kaspar Spinner: Handlungs- und produktionsorientierte Verfahren im Literaturunterricht. In: http://www.didaktikdeutsch.de/lehre/ss06/Spinner.pdf

[77] Wilfried Engemann: Einführung in die Homiletik, Tübingen, Basel 2002, S.282.

[78] Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran, München 20073 (1999), S. 171ff.

[79] Ebd., S.173.

[80] Ebd., S.186.

[81] Rudolf Otto: Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen (1917), München, Sonderausgabe 1963, S.89.

[82] Ebd., S.88f.

[83] Wiefel-Jenner, a.a.O., S.177. Siehe auch „Eine Gottesdienstordnung für den Vaterlands-Sonntag“. In: Christliche Welt 39, Nr. 20/21 vom 14. Mai 1925, Sp. 433-438.

[84] Dorothea Baumann und Christina Niederstätter: Akustik [in Sakralräumen]. In: Rudolf Stegers: Entwurfsatlas: Sakralbau, Basel etc. 2008, S.54-59, hier S.56.

[85] Zu den neuesten Erkenntnissen einer auf das Hören focussierten Aufmerksamkeitsforschung gehört die Erforschung männlichen bzw. weiblichen Zuhörens am Beispiel des bekannten `Cocktailpartyphänomens`, bei der man gleichzeitig vielerlei Stimmen aus unterschiedlichen Richtungen hört. Die Konzentrationsleistung auf nur eine Stimme wird von Männern besser bewältigt als von Frauen. Der Grund mag in unterschiedlichen evolutionären Anforderungen an die beiden Geschlechter liegen. Siehe Pressemitteilung des Universitätsklinikums Tübingen vom 22.06.2011: http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?r=456857&sid=&aktion=jour_pm&print=1&pdf=1 Siehe auch: Ida Zuendorf/Hans-Otto Karnath/Jörg Lewald: Male attention in sound localization at cocktail parties. In: Cortex 47 (2011), S.741-749.

 

[86] Otto, Das Heilige, a.a.O., S.18.

[87] Markus Kunkel/Christopher Pramstaller/Phillip Grant/Richard von Georgi: Ein konstruktionspsychologischer Ansatz zur Messung des Chill-Erlebens. (www.aspm-samples.de/Samples7/kunkeletal.pdf), Version vom 18.8.2008.

[88] So der an der Hochschule für Musik, Theater und Medien/Hannover lehrende Neurologe und Musiker Eckart Altenmüller. Zitiert in Martin Fendel: Kreativität und Kunst als Überlebenshilfe. In Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 106,. Heft 13 vom 27.März 2009, S. A 617.

[89] Oliver Grewe/ Frederik Nagel/Reinhard Kopiez/Eckart Altenmüller (2005). How does music arouse ›chills‹? Investigating Strong Emotions, Combining Psychological, Physiological, and Psychoacoustical Methods. In: The Neurosciences and Music II: From Perception to Performance. Hg. v. Giulano Avanzini, Luisa Lopez, Stefan Koelsch und Maria Majno (= Annals of the New York Academy of Sciences 1060). New York: New York Academy of Sciences, S. 446-449.

[90] Patrik N. Juslin/John Sloboda (ed.): Handbook of Music and Emotion, Oxford 2010.

[91] Siehe die hilfreiche Zusammenfassung bei Wolfram Goertz: „Fühlt sich an wie Glück“. In: Die ZEIT Nr. 35, 26. August 2010, S. 31f.

[92] Christian Lehmann: Geheimnisvolles Hörvergnügen. In: Rheinischer Merkur Nr. 45, vom 11. November 2010, S. 7. – Vom selben Verfasser: Der genetische Notenschlüssel. Warum Musik zum Menschsein gehört, München 2010.

[93] Ebd.

[94] Ebd.

[95] Ebd.

 

Der Beitrag erschien in: Wahrheit und Geschichte. Die gebrochene Tradition metaphysischen Denkens. FS zum 70. Geburtstag von Günther Mensching, hg. von Alia Mensching-Estakhr und Michael Städtler, Würzburg 2012, S.353-375.