Islam in Geschichtsbüchern

  

Der Islam in den Geschichtsbüchern der Bundesrepublik Deutschland

von Dr. phil. Monika Tworuschka, Bad Münstereifel

 

 

Seit 1981 besteht an der Universität zu Köln das Forschungsprojekt "Bestandsaufnahme und Analyse der Darstellung des Islam in den in der Bundesrepublik Deutschland zugelassenen Schulbüchern" (Projektleiter: Prof. Dr. A. Falaturi/ Prof. Dr. Tworuschka). Sämtliche in der Bundesrepublik zugelassenen Schulbücher aller einschlägigen Fächer (Evangelische Religion; Katholische Religion; Geschichte, Geographie; Richtlinien und Lehrpläne sowie AV-Medien) wurden auf ihr Islambild hin untersucht. Die Ergebnisse sind in den "Studien zur Internationalen Schulbuchforschung" des Braunschweiger Georg-Eckert-Instituts veröffentlicht worden.

Auf der Basis einer Bestandsaufnahme und Analyse sämtlicher in der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum 1979 - 1985 immer noch oder erstmalig zugelassenen Geschichtsbüchern wurde versucht, die Repräsentation und Darstellungsweise des Islam herauszuarbeiten sowie Kriterien für eine Verbesserung aufzuzeigen. Von den mehreren hundert untersuchten Büchern enthielten 111 Titel Aussagen zum Islam. Das Projekt will darüber hinaus einen Beitrag zur Integrationshilfe leisten und zwar in einem doppelten Sinn: Einerseits sollen deutsche Schüler befähigt werden, das Phänomen Islam in religiöser, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht besser zu begreifen und damit zu einem tieferen Verständnis der Probleme der Muslime, vor allem auch der muslimischen Mitschüler, zu gelangen. Anderseits soll den muslimischen Schülern durch eine angemessene Darstellung ihrer Religion und Kultur in deutschen Geschichtsbüchern eine Identifikationshilfe geboten werden, damit sie sich dank einer verstärkten Einbeziehung ihrer Kultur nicht länger als Randgruppe fühlen müssen.

Für den heutigen Geschichtsunterricht hat Rolf Schörken erst vor einiger Zeit festgestellt, daß er häufig keine "wirksame Hilfe für die Weltorientierung der heranwachsenden Jugend leiste". Bestrebungen, den Geschichtsunterricht aus einer nationalstaatlichen Betrachtungsweise und europazentrischen Sicht zu befreien, gibt es schon seit langem. Zu den wichtigen geschichtsdidaktischen Poisitionen zählt der "universalgeschichtliche Annsatz". Er erstrebt ein globales, im Pluralismus fundiertes Geschichtsbild. Der Einblick "in das Entstehen unserer Welt aus Beiträgen vieler Völker und Kulturen" ermöglicht es, den Schüler hinzulenken "auf ein aktives Leben in einer Weltgemeinschaft". Martin Strohmeier hat als Ergebnis einer Durchsicht verschiedener Geschichtsbücher formuliert, daß die vielbeklagte Ausländerfeindlichkeit nicht zuletzt in einem geschichtlich vermittelten Eurozentrismus wurzelt. Dieser Eurozentrismus äußert sich darin, daß die europäischen Länder vorwiegend im Mittelpunkt des Interesses stehen, während die Geschichte anderer Kulturen als peripher und belanglos gilt, sofern sie die eigene Geschichte nicht in einer bestimmten Phase tangiert. Obschon in einigen neueren Büchern durchaus ein Perspektivenwechsel angstrebt wird, bleiben dies positive Ausnahmen.

Die Untersuchung arbeitete methodisch vorwiegend nach der sog. "systematischen Inhaltsanalyse", die nach der Charakterisierung von B.Berelson zur "objektiven systematischen und quantitativen Beschreibung des manifesten Inhalts von Kommunikation" beitragen soll. Dabei wurde die qualitative mit der quantitativen Methode verbunden. Das Forschungsprojekt berücksichtigt neben den Erkenntnissen der Islamwissenschaft und anderer beteiligter Fachwissenschaften, insbesdondere auch das Selbstverständnis des Islam - , eine, wie unschwer zu erkennen ist, nicht unproblematische Größe. Dieses "Selbstverständnis" wird jedoch nicht verabsolutiert und ist nicht der einzige Gesichtspunkt der Kritik.

Die Untersuchung orientierte sich über das Aufzeigen objektiv-manifester Inhalte hinaus insbesondere an folgenden Problemfeldern: Eurozentrismus gegenüber Multiperspektivität, punktuelle gegenüber kontinuierlicher Darstellungsweise, Information gegenüber Interpretation, Urteil gegenüber Vorurteil, Monokausalität gegenüber Differenziertheit.

Resümee der wichtigsten Ergebnisse

1. Nahezu alle untersuchten Werke besitzen im Band für die 6. oder 7. Jahrgangsstufe eine eigenständige Islameinheit. Da die meisten geschichtlichen Werke chronologisch vorgehen, wird das Islamkapitel, das fast immer mit der Darstellung des vorislamischen Artabien oder dem Auftreten des Propheten Mohammed beginnt, in die Ereignisgeschichte des 7. Jhds. eingebettet. Anschließend werden häufig die Grundprinzipien des Glaubens, sodann abrißartig der weitere Verlauf der islamischen Geschichte und die islamische Kultur im Mittelalter thematisiert. Insbesondere in neueren Büchern wird kurz auf Probleme und Fragestellungen des 19. und 2O. Jhds. eingegangen. Einige Schulbücher besitzen keine eigenständige Islameinheit. Stattdessen werden im Zusammenhang mit den Kreuzzügen Grundinformationen über islamische Religion und Geschichte vermittelt, die in der Regel kürzer als die Ausführungen in den Werken mit eigener Islameinheit ausfallen. Eine beiläufige Thematisierung erfährt der Islam ferner, wenn der Vormarsch der Osmanen nach Wien zur Sprache kommt. Manche Bücher streifen dabei kurz die Regierungs- und Verwaltungspraxis des osmanischen Reiches. Im Zusammenhang mit Kolonialpolitik und Entkolonialisierung erwähnen einige neuere Titel Strömungen wie Panarabismus und Panislamismus. Bei der Behandlung des Nahostkonflikts wird gelegentlich die Bedeutung Jerusalems für die drei monotheistischen Religionen erwähnt. Ein paar nach 198O erschienene Schulbücher gehen ausführlicher auf die Re-Islamisierung ein. Sonst kommt die Geschichte islamischer Staaten im 19. und 2O. Jhd. nur dann zur Sprache, wenn direkt oder indirekt die Interessen europäischer Länder betroffen sind.

2. Der thematische Kontext der Islameinheiten ist häufig der Zerfall der Einheit des Mittelmeerraumes, was die Überschriften einiger Bücher zum Ausdruck bringen. In einem Teil der vorwiegend älteren Darstellungen wird der Bedrohungsaspekt für das Abendland bzw. Christentum schon durch die Überschriften signalisiert. Manche Bücher heben zwar nicht die Bedrohung hervor, unterstreichen aber durch Überschriften wie etwa "Kreuz oder Halbmond" die Konfrontation mit der islamischen Welt. Die Mehrzahl der neueren Bücher wählt für ihre Islameinheiten dagegen eher neutrale Überschriften, die wichtige Inhaltsmerkmale zusammenfassen, wobei Mohammed als "Religionsstifter" nicht selten im Mittelpunkt steht.

3.Da die untersuchten Schulbücher von nichtislamischen Historikern verfaßt wurden, überwiegt naturgemäß ihre Sicht des Geschehens. Dennoch läßt sich in den neueren Darstellungen ein deutlicher Wandel feststellen: Bedingt durch die Konzeption des "Arbeitsbuches", welches das traditionelle "Lernbuch" weitgehend verdrängt hat, werden zunehmend islamische Textquellen einbezogen. Manche neuere Bücher zum Beispiel enthalten auch islamische Stimmen über die Eroberung Jerusalems zur Kreuzzugszeit oder aber einen Vergleich zwischen christlicher Eroberung und islamischer Rckeroberung. Auch die Belagerung Wiens durch die Osmanen wird bisweilen mit islamischen Quellen belegt. Recht gelungen wurde das Prinzip der Multiperspektivität in der Kreuzzugseinheit des Schulbuches "Fragen an die Geschichte" verwirklicht. Jedoch wurde hier, wie auch in anderen Büchern, nicht die grundsätzlich unterschiedliche Betrachtung der Kreuzzüge in christlicher und islamischer Sicht erörtert. Was die islamischen Eroberungen des 1. islamischen Jhds. betrifft, überwiegt der Gesichtspunkt der Bedrohung für Europa. Jedoch wird in einigen Büchern auch erwähnt wird, daß die christlichen Minderheiten des Nahen Ostens die islamische Eroberung im Vergleich zur byzantinischen Oberherrschaft als Befreiung empfanden. In einem neuen Buch "Geschichte (Ausgabe C)" wird die provokante Frage gestellt, ob das christliche Abendland angesichts der wirtschaftlichen und technischen Überlegenheit des islamischen Spanien von Karl Martell bei Tours und Poitiers wirklich gerettet wurde.

4. Während bei der Ereignisgeschichte die Notwendigkeit der multiperspektivischen Sicht erkannt und im Ansatz verwirklicht wurde, tun sich die Autoren bei der Beschreibung von Glaubensinhalten schwerer. Dies trifft auch für die frühe islamische Geschichte zu, die für viele Muslime bereits zur Glaubensfrage geworden ist. Die Schulbuchautoren setzen als selbstverständlich voraus, daß christliche Theologen ihre Quellen historisch-kritisch analysieren. Daher ist ihnen oft nicht bewußt, daß, von einigen Ausnahmen abgesehen, diese Entwicklung im Islam kaum stattgefunden hat. Vom nichtislamischen Historiker soll natürlich nicht die Preisgabe seiner Methode(n) verlangt werden. Dennoch sollte er motiviert sein wollen, auch die islamische Sicht kennenzulernen und in den Unterricht einzubeziehen. Das in mancherlei Hinsicht hervorragende Buch "Geschichte und Gegenwart" erörtert am Beispiel der Berufung Mohammeds die grundsätzliche Schwierigkeit, Ereignisse in einer für die beiden Traditionen akzeptablen Sichtweise zu beschreiben. Dies ist aber eine Ausnahme. Viele Muslime sehen zum Beispiel die Originalität ihrer Religion in Frage gestellt, wenn nichtislamische Historiker aus einigen Kontakten Mohammeds zu Juden und Christen eine direkte Abhängigkeit des Islam von diesen Religionen postulieren. Für das gegenseitige Verständnis wäre es außerdem hilfreich, wenn im Unterricht festgestellt wird, daß Historiker den göttlichen Ursprung des Korans zwar nicht beweisen können und wollen, für manche Muslime hingegen der Gedanke, daß dieses Buch Menschenwerk ist, einer Gotteslästerung gleichkommt.

5. In den Islameinheiten werden zumeist die Entstehung des Islam und das Leben des Propheten mehr oder weniger ausführlich beschrieben. Die Darstellung islamischer Geschichte nach dem Tode Mohammeds bleibt in vielen Büchern auf die ersten Eroberungen beschränkt. Nur zwei ältere Gymnasialbücher sowie einige Neuerscheinungen aus den 8Oer Jahren behandeln die Zeit der vier ersten Kalifen, Regierungs- und Verwaltungsmerkmale der Umaiyaden- und Abbasidendynastie sowie deren Nachfolger als eigenständiges Thema. Die Bezeichnung Umaiyaden kommt häufig nur auf der Landkarte und nicht im Text vor, während die Beschreibung der Abbasiden ausschließlich bei den zumeist qualitativ guten und ausführlichen Erörterungen der islamischen Kultur zur Sprache kommt. Die Erklärung und Unterscheidung von Sunna und Schia wird so gut wie überhaupt nicht diskutiert. Die Behandlung von Nichtmuslimen wird als grundsätzliches Problem thematisiert, ohne auf die Unterschiede in den einzelnen historischen Epochen einzugehen. Die Tatsache, daß vor allem die spätere islamische Geschichte punktuell und sporadisch beschrieben wird, bringt für die Darstellung des 2O. Jhds., in dem der Islam eine neue weltpolitische Bedeutung erlangt hat, Probleme mit sich, da Schülern und Lehrern oft die notwendigsten Hintergrundinformationen fehlen.

6.Es ist unwahrscheinlich, daß selbst die Autoren älterer Bücher bewußt Falsch- und Vorurteile über den Islam formuliert haben. Allerdings gibt es über den Islam etliche Falschurteile, Halbwahrheiten und Vorurteile, die eine lange Entstehungs- und Wirkungsgeschichte besitzen, ja teilweise bis heute noch als selbstverständliche Tatsachen gelten. Der Islam war und ist für viele eine gewalttätige und fatalistische "Gesetzesreligion", in der die Frau keine Rechte besitzt.

In vielen älteren, aber auch einigen neueren Büchern werden vor allem die Willkür Gottes und die Unfreiheit des Menschen betont sowie die Gewaltsamkeit der islamischen Eroberungspraxis so ausführlich geschildert, daß diese Themen schon allein quantitativ gesehen überrepräsentiet waren. In den neuen Veröffentlichungen ist hier jedoch eine positive Veränderung zu beobachten. Bereits in der 1. Ausgabe von "Geschichtliche Weltkunde" (1974) wurde zu Beginn der Islameinheit dargelegt, daß es viele geschichtlich gewachsene Vorurteile gibt ( zum Beispiel gewaltsame Ausbreitung, Benachteiligung der Frau). In einigen Lehrerbänden der Folgezeit wurde dann häufig die Aufarbeitung von Vorurteilen als ein Unterrichtsziel genannt, obgleich die Ausführungen in den Schülerbänden weiterhin Fehlinformationen zu diesen Themen enthielten. An den neuesten Büchern ist jedoch ablesbar, daß die Autoren besser informiert und für bestimmte Probleme sensibler geworden sind. Beispielsweise werden anstelle der früher oft verkürzten Koranverse zum Thema "Prädestination", das in der islamischen Theologiegeschichte sehr unterschiedlich gesehen und daher differenziert erörtert werden muß, Koranverse zum Thema Einheit, Herrlichkeit und Barmherzigkeit Gottes abgedruckt. Auch das Thema Gihad und Gewalt wird behutsamer und ausgewogener erörtert. Über die Stellung der Frau werden einige Zusatzinformationen gegeben, die jedoch meist immer noch nicht ausreichen. Die verkürzte Darstellung der 5 religiösen Grundpflichten führt bisweilen dazu, daß der Islam als mechanische, veräußerlichte "Gesetzesreligion" gilt.

7. Als Gesamteindruck fällt auf, daß die Sprache nur in einigen wenigen zumeist nicht mehr zugelassenen älteren Büchern als tendenziös und unsachlich zu bezeichnen ist. Zu einzelnen Themen gibt es jedoch in vielen Büchern sprachliche Auffälligkeiten: So verwenden immer noch erstaunlich viele Bücher das Schlagwort "mit Feuer und Schwert", wenn es um die Ausbreitung des Islam geht. Auch die Sprache im Zusammenhang mit den Eroberungen fällt auf: Die Muslime oder Araber "dringen vor, bedrohen das Abendland, erschüttern als Völkerwanderung, wälzen sich plündernd in das fränkische Gallien, brausen heran, überfluten das Land, überrennen andere Völker, unterwerfen sie, brechen jeden Widerstand, breiten die Macht Allahs aus, tragen den heiligen Krieg über die Grenzen Arabiens hinaus und stürmen in alle Himmelsrichtungen, während ihr Glaubenssatz wie eine Brandfackel wirkt".

Bei der Beschreibung der Berufung des Propheten Mohammed drücken viele Autoren durch ihren Sprachstil aus, daß sie den Vorgang für fragwürdig halten: "Was Mohammed seinen Landsleuten verkündete, war eigentlich nur eine Erweiterung dessen, was er damals zu hören glaubte" oder "Als Mohammed 4O Jahre alt war, soll ihm der Erzengel Gabriel verkündet haben, daß er zum Propheten auserwählt worden sei" oder "In langen Nächten meinte er, den einen Gott zu sich sprechen zu hören".

Bei der Behandlung des Themas "Nichtmuslimische Minderheiten" fallen typische "zwar - aber" -Sätze auf. Teilweise geben sie die historische Wirklichkeit wieder, stellen aber dennoch unsachgemäße Verkürzungen dar: "Die Christen wurden in den eroberten Gebieten zwar nicht gezwungen, den Islam anzunehmen, doch waren sie Menschen zweiter Klasse". Oder "Wohl hatten die Araber den Islam zunächst mit Feuer und Schwert ausbreiten wollen, mit der Zeit ließen sie aber doch die Bewohner auf ihre Weise leben".

8. Mögen auch einige neuere Darstellungen eine differenziertere und ausgewogenere Betrachtung islamischer Religion und Geschichte präsentieren, so finden sich trotzdem in manchen Büchern weiterhin unzulässige Verallgemeinerungen. Es wird beispielsweise pauschal behauptet, die Muslime htten sich furchtlos in das wildeste Schlachtgetümmel gestürzt, da Gott ohnehin alles vorherbestimmt hat. Christliche Pilger in der Zeit vor den Kreuzzügen seien von den Muslimen nur deshalb freundlich aufgenommen worden, weil sie "Geld ins Land brachten". Solche Aussagen befähigen den Schüler nicht, die tatsächlichen und höchst unterschiedlichen Ursachen für geschichtliche Sachverhalte zu erkennen.

9. Ebenso hat die aus Platzgründen resultierende Notwendigkeit der Verknappung dazu geführt, viele Probleme ohne historische, regionale, politische, ökonomische und soziale Differenzierungen zu beschreiben. Bei der Stellung der Frau beispielsweise müßte man neben den unterschiedlichen islamischen Rechtstraditionen in den einzelnen Ländern, gewohnheitsrechtliche Gepflogenheiten beispielsweise auf der arabischen Halbinsel, in Nordafrika oder Vorderasien, das Stadt-Land-Gefälle, schichtenspezifische Probleme sowie historische Entwicklungen und Neuinterpretationen berücksichtigen. Zumindest sollte das Bewußtsein dafür geweckt werden, daß der Islam keine einheitliche Größe darstellt.

11. In wenigen neueren Büchern wird versucht, hier lebende muslimische Schüler in das Unterrichtsgeschehen einzubeziehen. Im Lehrerband zu "Geschichte heute für die Hauptschule in Baden-Württemberg" (6. Schuljahr) heißt es: "Es dient der Toleranz und fördert das Selbstwertgefühl türkischer Schüler, wenn sie an dieser Stelle über ihre Religion berichten dürfen..." Ein solcher Zugang impliziert, islamische Persönlichkeiten wie Mohammed oder die ersten vier Kalifen und andere nicht nur aus westlicher Perspektive, vielmehr auch aus dem Blickwinkel früherer und heutiger Gläubiger zu betrachten. In Bezug auf Mohammed wurde dies in vielen neueren Büchern bereits ansatzweise verwirklicht.

Für die zukünftige Abfassung von Büchern sollen einige Empfehlungen ausgesprochen werden:

1. Eine noch stärkere Einbeziehung islamischer Quellen bei den Themen: Mohammed, islamische Geschichte, Kreuzzüge, Auseinandersetzung mit dem osmanischen Reich, Kolonialismus und Identitätsfindung der islamischen Welt heute. Auf diese Weise wird man der Forderung nach Multiperspektivität besser gerecht.

2. Eine kontinuierlichere und gegenwartsbezogenere Darstellung, die nicht mit der Kulturübernahme im Mittelalter abschließt, sondern auch auf die wichtige Rolle des Islam in der gegenwärtigen Weltlage eingeht und die historische Aufarbeitung heutiger Probleme gewährleistet.

3. Die Darstellung des Islam als eine differenzierten Größe, deren Erforschung und Vermittlung interdisziplinäre Zugangsweisen erfordert.

4. Eine gründliche Aufarbeitung besonders vorurteilsbelasteter Themen. Statt von "Behandlung" bzw. "Durchnahme" des Islam zu sprechen, sollte es vielmehr um einen insbesondere auch die affektive und pragmatische Dimension berücksichtigenden "Umgang" mit dem Islam bzw. den Muslimen gehen.

5. Eine intensivierte Beschäftigung mit den Alltagserfahrungen von Schülern und Lehrern mit Islam/Muslimen, wie sie u.a. in persönlicher Begegnung, Massenmedien, schulischen wie außerschulischen Instanzen usw. vermittelt werden.

6. Eine angemessene Berücksichtigung des islamischen Selbstverständnisses.